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Beat Döbeli Honegger zum Einsatz von Wikis in der Schule
von AKoenig | Sprache |Juni 10, 2007
Abstract:
Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger berichtete im März dieses Jahres auf der bereits genannten Fachtagung zu “Web 2.0 in der Schule” über die Potenziale von Wikis im Unterricht. Sein wirklich unterhaltsamer Vortrag steigt mit einem fiktiven Bericht seiner Rollenspielerfahrung ein. Honegger schildert zunächst diese “Spielewelt” als ein Reich aus einzelnen Inseln. Die Bewohner ernähren sich vor allem durch den Fischfang:
Die Bewohner von Computistan haben eine spezielle Art den Fischfang zu organisieren. In ihrer Kultur geht es darum, den Fischfang möglichst zu optimieren. Den größten Ertrag erreichen sie durch Standaradisierung und Automatisierung. Komplizierte Messverfahren, Datenspeicherung und Berechnungen führten dazu, dass die Bewohner dieser Insel zu großem Reichtum angehäuftig haben.
Die Bewohner von Pädagogien haben indes ein vollkommen anderes Verständnis des Fischfangs. Ihrer Auffassung nach hat das Lernen des Fischens etwas mit der Zusammenführung von Kopf, Herz und Hand zu tun. Es sind also drei Komponenten die aus ihrer Perspektive für den Fischfang wichtig sind: Kognition, Motivation und Emotion. Die Verfahrensweisen des Fischfangs werden aktiv und in realen sozialen Kontext vermittelt.
Diese beiden Inselwelten scheinen sich unversöhnlich gegenüber zu stehen, wenn nicht ein kleiner Teil der Bewohner von Computistan neue Wege beschreiten würde. Das Credo der übrigen Einwohner wird von dieser Gruppe modifiziert:
Die in Computistan entwickelten Möglichkeiten und Verfahrensweisen sollen so vereinfacht werden, dass jeder sie anwenden kann. Zudem sollen sie kein Staatsgeheimnis mehr sein, sondern allen offengelegt werden, um auch den Austausch von Erfahrungen mit einzelnen Methoden zu fördern.
Aus dieser kleinen Geschichte, die sehr lebendig von Honegger vorgetragen wird, leitet er die erste These seines Vortrags ab: Das Web 2.0 ist ein Experimentierfeld, in dem der einzelne Pädagoge seine eigenen Erfahrungen machen muss. Im Anschluss macht er einen Vergleich zwischen Wandtafel und Wiki. Die klassische Tafel ist per definitionen:
…eine grosse, für alle sichtbare, unstrukturierte und technisch ungeschützte Fläche im Schulzimmer, bei der alle ohne eigne Werkzeuge und ohne vorherige Anleitung etwas hinzufügen, verändern oder löschen können.
Durch den Abgleich mit einer von Honegger vorgeschlagenen Definition von Wiki gelangt er zu seiner zweiten These: Wenn nämlich ein
…Wiki … ein Webserver mit Versionsverwaltung im Internet [ist], bei dem alle ohne zusätzliche Werkzeuge ohne HTML-Kenntnisse Webseiten erstellen, verändern und verknüpfen können,
dann ist ein Wiki letzlich eine virtuelle Wandtafel.
Für Honegger zeigt sich aus der Diskussion um den Innovationscharakter von Web 2.0, dass über den Stellenwert des Werkzeugs Wiki selbst nachgedacht werden muss. Daraus ergibt sich seine dritte These: Wichtig ist die Idee, die hinter dem Konzept “Wiki” steht, nicht das Werkzeug an sich. Diese These belegt er an Applikationen (z.B. Google Docs und Spreadsheets), die vormals wikispezifische Eigenschaften aufgenommen habe. Des Weiteren weist er auf ein Buch von Don Trapscott aus dem Jahr 2007 hin. In “Wikinomics” stellt er die Behauptung auf, dass sich viele der Strukturprinzipien von Wikis auch in Strukturiertheit moderner Gesellschaft wiederfinden. Insofern sollte eine solten weniger die spezifischen Funktionalitäten im Mittelpunkt stehen, sondern eine Reflexion über die allgemeinen Eigenschaften erfolgen.
Zum Einsatz von Wikis in der Schule gibt Honegger nur einige Tipps:
Wikis ermöglichen
1. …die Erstellung von Webseiten: Schüler und Schülerinnen werden durch den Einsatz aktiviert. Wikis sind Planungs- und Präsentationsmedium.
Zeichnungen können integriert und die Netzstrukturen im Wiki visualisiert werden. Einschränkend sieht Honegger den Einsatz von Wikis durchaus realistisch. Zwar sei die Ausbreitung des “Wikivirus”, die sich im Schreibeifer der Nutzer artikuliert, in einzelnen Lerngruppen durchaus zu finden, andere Lerngruppen zeigen indes keine Motivation am Wiki zu arbeiten. Insofern ist der Einsatz von Wikis nicht das allein selig machende Heilmittel.
2. …die Veränderung von Seiten: Durch die Möglichkeit Seiten zu jeder Zeit zu verändern wird Lernen gleichsam prozessualisiert.
3. …die Verknüpfung verschiedener Pages: Durch den Auftrag bei Abschluss der Arbeit am Wiki Links zu anderen Seiten zu finden und einzubinden, werden Beziehungen zwischen Artikeln deutlich und eine multiperspektivische Darstellung möglich.
4. …Gruppenarbeit: Wikis sind auf Teamwork angelegt. Im Feldeinsatz hat sich allerdings gezeigt, dass auch hier das Phänomen des “sozialen Faulenzen” zu beobachten ist. Das Argument ist all zu oft die (vermeintlich) fehlende technische Kompetenz. Lerngruppenvereinbarungen können Abhilfe schaffen. Eine schöne Idee, die Honegger vorstellt, ist das Projekt “Schulkrimi schreiben” einer schweizerischen Schule. Diese wurden zum Abschluss des Projekts in einer Kriminacht vorgelesen. Die Schüler beurteilten mit Hilfe des Wikis die Elaborate ihrer Mitschüler anhand eines ausgeklügelten Kriterienkatalogs. Derart können Wikis einen Beitrag Entwicklung einer Feedbackkultur leisten.
5. …eine Versionsverwaltung: Jede Veränderung einer Seite wird im Wiki protokoliiert. Lernprozesse werden so nachvollziehbar. Schülerinnen und Schülern kann beim Arbeitsprozess zugeschaut werden. Den Wert bekommt diese Eigenschaft von Wikis insbesondere für selbstorganisierte und selbstregulierten Lernprozesse. Der Arbeitsprozess wird für den Lehrer nachvollziehbar. Die Möglichkeit zur Beobachtung des Lernprozesses eröffnet für den Lehrer die Option bei ungünstigen oder fehlerhaften Entwicklungen rechtzeitig zu intervenieren.
6. …das Arbeiten im Web ohne HTML-Kenntnisse: Diese Tatsache baut Hemmschwellen.
7. …das Arbeiten direkt im Internet: Einen Internetzugang vorausgesetzt kann an einem Wiki auch von zu Hause gearbeitet werden. Eltern und Verwandte haben die Möglichkeit sich dirket über die Arbeit im Klassenraum zu informieren, was auf die Schülerinnen und Schüler einen motivierenden Effekt haben kann.
Für mich bleibt indes immer noch die Schwierigkeit, wie in diesen Formen des Lernens Leistung konkret überprüft und in einer Note verdichtet werden kann. Leider steht in unserem Schulsystem immer noch die erbrachte Einzelleistung im Mittelpunkt. Sie wird letztlich auch bewertet. Doch wie ist sie in Wikis zu eruieren? Anhand der Einzelbeiträge zum kollaborativ erstellten Dokument?
Auch die Implementierung von Wikis in Schulkontexte erscheint mir nicht unproblmeatisch: So hat Martin Ebener in seinem Artikel über “Wikis in der Hochschullehre”, der in diesem Blog auch schon zur Diskussion stand, darauf hingewiesen, dass die Einbindung von Wikis in Lernkontexte mit “Zwangscharakter” negative Auswirkungen auf die Motivation haben können.
Nun wie dem auch sei: Nachdem ich ein Schul(media)wiki aufgesetzt habe, mit dem ich aber noch nicht ganz zufrieden bin, da ich die mir eine Differenzierung der Nutzer- bzw. Zugriffsrecht (noch) fehlt,erscheint vor dem Hintergrund dieser Bedenken die erste These von Döbeli Honegger als die wichtigste. Als Lehrer muss man selbst seine Erfahrungen mit diesem Werkzeug im Unterricht sammeln.
Quelle: Pädagogische Hochschule Zentralschweiz
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Juni 10th, 2007 at 22:30
Ein in den Inhalten identischer Artikel des gleichen Autors ist in der neusten Ausgabe von Computer + Unterricht enthalten.
Juli 19th, 2007 at 14:36
[…] Anwendung von Wikis finden sich z.B. im Blog Geschichte und Neue Medien vor allem hier, hier, hier, hier und hier; eine Publikationenliste zum Thema findet sich […]